Ausgabe 2 
Ouch!! Local
... ist gar keine so einfache Sache hier in München. Wie in allen Großstädten gibt es so viele Kinos, daß man sich gar nicht entscheiden kann wohin man will. Aber das stimmt nur bedingt! Wenn man nämlich mal genau vergleicht, ist das Angebot bei den meisten Kinos ziemlich ähnlich bis fast gleich: ungefähr drei viertel der an die hundert Leinwände in und um München zeigen aktuelle, kommerzielle Filme in der ins Deutsche synchronisierten Fassung, meistens zum Bundesstart oder kurz danach. Nach einigen Wochen kommen neue Filme und so geht das weiter. Dazu gibt es Popcorn, Süßigkeiten, Cola und Bier. Also Unterhaltung pur! Meistens nicht sehr billig, 25 Märker und mehr für einen Kinoabend mit allem Drum und Dran sind keine Seltenheit, pro Person versteht sich! Aber es soll Leute geben, die, wenn sie ins Kino gehen nicht umbedingt nur unterhalten werden wollen. Vielleicht wollen sie sich mal ernsthaft mit einem Thema auseinandersetzen oder suchen nach Kino-Kunst, die man in "normalen" Kinos leider nur selten findet. Vielleicht sind sie vor allem an Filmen von bestimmten Genres interessiert oder wollen auch mal ältere Filme im Kino erleben, die es sonst nur auf Video oder im Fernsehn zu sehen gibt. Wohin sollen diese Leute gehen? Ein Patentrezept zum Kinogehen gibt es natürlich nicht, aber trotzdem wollen wir einige Vorschläge machen, wie und wo man in München "Ins Kino gehen" kann, wenn man sich selbst als Kino- oder Filmliebhaber, Cineast oder was auch immer bezeichnet oder fühlt. Orte, wo ein Kinobesuch noch etwas besonderes ist, sind rar geworden in den letzten Jahrzehnten.
Um einen Kinobesuch zu etwas Besonderem
zu machen gibt es verschiedene Möglichkeiten: Kino im Auto (im Autokino
ASCHHEIM), zwei Filme hintereinander (z.B. im Um einen Kinobesuch billiger zu machen, geht man Montags oder Dienstags ins Kino (Kinotag mit verbilligtem Eintritt in vielen Kinos), man verzichtet auf Popcorn und Cola oder Bier aus dem Foyer und nimmt sich stattdessen was von zu Hause oder aus dem Supermarkt mit. Wer´s ganz billig will geht unter der Woche bis 17:30 ins CINEMA (für nur 6,90DM) und kauft sich Topstar und JA!-Chips oder Aldi-Gummibärchen oder er wartet ein paar Wochen bis in der "CINEMAthek" des gleichen Kinos die Filme für 3,99DM gezeigt werden (meistens Mittwochs um 22:45) und frißt und säuft halt gar nichts! Die Gemeinde der englischsprachigen Kinogänger ist mit der Zeit immer größer geworden. Und dieser Durst will gestillt sein! In München kann man ohne große Probleme fast das gesamte Programm, also aktuelle Filme, Kultfilme der letzten Jahre und einige Klassiker auch in den englischsprachigen Originalfassungen zu sehen bekommen, was nicht nur für Ausländische Kinobesucher von Vorteil ist, sondern auch Deutschsprachigen die Chance gibt die Originalstimmen der Schauspieler kennenzulernen. Das vorher schon erwähnte CINEMA ist wohl das bekannteste dieser Kinos in unserer Stadt, aber auch in den MUSEUMLICHTSPIELEN und anderen Kinos wie dem NEUEN ROTTMANN und den ODYSSEE Kinos laufen viele Filme auf Englisch (Für Schüler eine Methode des spielerischen Lernens dieser Sprache, oder?). Etwas anspruchsvollere Filme, Kultfilme, Independentproduktionen und europäische Filme als Hauptangebot haben eine Handvoll Kinos: das CINERAMA im KPOst, ABC und TÜRKENDOLCH in Schwabing, das FILMCASINO und THEATINER FILMKUNST beim Odeonsplatz, das NEUE ARENA bei der Fraunhoferstraße, ISABELLA beim Josephsplatz und das CINCINATTY in der gleichnamigen Straße, zum Teil auch CITY und ATELIER in der Sonnenstraße sowie APOLLO und ARTEMIS im Forum der Technik. Neben den weiteren drei Kinos die wir noch einzeln vorstellen wollen ist auf jeden Fall noch das FILMMUSEUM zu erwähnen, da es nicht nur ein Ort für Wissenschaft und Forschung ist und ein Archiv mit über 4000 Filmen besitzt, sondern auch Restaurierungswerkstatt für Klasssiker, vor allem Stummfilme, die auch im eigenen Kino präsentiert werden. Auch der Rest des Programmes besteht ausnahmslos aus guten, künstlerischen und wichtigen Filmen dieses Jahrhunderts. WERKSTATTKINO: Wenn man durch die Fraunhoferstraße geht fällt einem bestimmt "Das Fraunhofer" auf, ein bayrisches Lokal; nicht nur, daß man im Innenhof zum "Theater im Fraunhofer" einer der besten Kleinkunst- und Kabarettbühnen Münchens kommt, man kann auch im Keller eines der schönsten, urigsten, kleinsten, aber auch atmosphärischsten Kinos der bayrischen Hauptstadt finden, das WERKSTATTKINO. Untergebracht in einer ehemaligen Kegelbahn des Fraunhofers bietet das etwas muffige Kino Platz für höchstens 50 Leute. Seit dem Jahr 1975 besteht der Verein Werkstattkino e.V. aus fünf Mitgliedern, die in Eigenregie das Kino betreiben und auch die Filme aussuchen, die letzendlich gezeigt werden, eine bunte Mischung aus Undergroundfilmen, Dokumentar- und Splatterfilmen; teilweise sind die Kopien aus dem eigenen Archiv von etwa 500 Filmen. Bei einem Eintritt von 8DM (!) und dem Verkauf von ein paar Getränken zu fairen Preisen und ohne Werbung (!!) kann sich das Kino gerade selbst tragen, ist aber froh um jede finanzielle Unterstützungund Förderung. Höhepunkte des Programms sind demnächst die Filmreihe SPINGTIME IN MUNICH im März, mit unbekannteren Filmen, die alle in München spielen und dem FESTIVAL OF JAPANESE CULT FILMS im Juni, das mal Licht in Japans Filmwelt jenseits des Animé bringt. MAXIM: Das älteste noch bestehende Kino Münchens ist das MAXIM in der Landshuter Allee. Als eine Art Denkmal für Neuhausens einstige Kinokultur befindet sich das Filmtheater seit 1912 in dem Gebäude des früheren Kaufhauses "Schottländer". Unter den Namen "Theater des Westens" und "Volkslichtspiele" und ab 1953 unter dem jetzigen Namen MAXIM war es bis etwa 1975 ein Familienbetrieb. Um es nach einer wirren Übergangszeit vor der endgültigen Schließung zu bewahren taten sich schließlich 1978 fünf Kinofreaks zusammen und übernahmen das legendäre Filmtheater. Von dieser ursprünglichen Gruppe ist zwar nur noch einer übrig, aber der leitet das Kino souverän mit etwa 3 bis 4 wechselnden Mitarbeitern, sucht selbst die Filme aus, kocht Kaffee und schenkt Bier aus. Das Programm wechselt in etwa alle zwei Wochen und bietet neben europäischen Independent- und Kunstfilmen auch Werke von internationalen Regisseuren und interessante Filmreihen, Höhepunkt für viele regelmäßige Besucher ist die Andrej Tarkowskij Werkschau, die jedesJahr um die Weihnachtszeit herum startet und alle Filme dieses hervorragenden russischen Filmemachers zeigt. LUPE2: Anfang der 70er war ein gewisser Kino-Boom zu beobachten. Dies ist auch die Zeit wo der "Fuchsbau" und mit ihm die LUPE2 gebaut wurde; das Innenleben und vor allem das Foyer sind in diesem seltsamen, damals modernen, Design mit den Farben Gelb und Grün gehalten, was eine seltsame Atmosphäre aufkommen läßt. Außerdem ist zu erwähnen, daß sich in dem gleichem Gebäude das stadtbekannte Irish-Pub "Shananigans" befindet. Der Besitzer dieses Programmkinos sitzt eigentlich in Göttingen und betreibt von dort aus den Lupe Filmverleih, der die Deutschen Filmrechte für eine Großzahl von internationalen und Deutschen Filmklassikern innehat. Vor allem wegen der Tatsache, daß etwa 70 bis 80% der gezeigten Filme aus dem eigenen Verleih stammen, kommt das Kino finanziell ganz gut um die Runden. Mit etwa 15 Mitarbeitern, von denen pro Abend zwei im Einsatz sind, bietet das Kino ein sehr buntes Programm: Kultfilme, Independentproduktionen, Künstlerisches und jede Menge Klassiker. Um nur einige Namen zu nennen: Murnau, Fritz ang, Charly Chaplin, Sergej Eisenstein, Fellini und Jim Jarmusch. Am Wochenende gibt es sogar Kinderfilme wie Ronja Räubertochter. Von vielen Filmen können an der Kasse Programmhefte mit Kurzzusammenfassung, Schauspielerinfo und anderen Informationen erworben werden. |