Ist da wer?
SETI@home
Mit seiner kleinen Mini-Antenne hätte ET wohl kaum eine Chance gehabt, "nach Hause" zu telefonieren - bis er das Signal seiner Heimatzivilisation aufgefangen und als solches erkannt hätte, wäre er längst in die Hände der bösen Militärs gefallen.
Seti@home Screenshot

Die heutige Wissenschaft hingegen sucht den Himmel mit riesigen Teleskopen nach verräterischen Funksignalen ab, sammelt so riesige Datenmengen - und kann dann nichts mit ihnen anfangen, da die Auswertung all dieser Gigabytes selbst die rechenstärksten Großrechner auf Jahre hinaus auslasten würde.
Genau hier setzt eine Forschergruppe der Berkeley University in Californien an: Sie schufen das Projekt SETI@home. Hierbei steht SETI - wie könnte es anders sein- für "Search for Extra-Terrestial Intelligence" und @home ganau für das was es heißt: "zu Hause". Für die Suche nach den grünen Männchen überlegte sich das SETI-Team eine Möglichkeit, die gesammelte Rechenkraft der im Internet versammelten Rechner anzuzapfen. Blieb nur noch das Problem, die Internetgemeinde auch davon zu überzeugen, ihre Heimcomputer für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen.
Die Lösung ist denkbar einfach: Sie schrieben kein "klassisches" Computerprogramm, das man als eigene Anwendung auf seinem Rechner laufen lassen muß, sondern verpackten das ganze in einen -sogar graphisch recht ansprechenden- Bildschirmschoner, den sich jeder Interessierte von der Homepage der Universität herunterladen kann. (http://setiathome.ssl.berkeley.edu/). Mit ca 750kb ist die Datei auch so angenehm klein, daß man sie selbst mit einem langsamen Modem in annehmbarer Zeit auf der heimischen Festplatte liegen hat. SETI@home, das für alle gängigen Betriebssysteme erhältlich ist, installiert sich als Bildschirmschoner - und nach einer kurzen Anmeldung (Nickname und e-mail-Adresse genügen) lädt das Progrämmchen (natürlich nachdem es brav nachgefragt hat, ob es online gehen darf) den ersten 250kb Datenhappen vom Webserver in Californien herunter. Hierbei handelt es sich um etwa 107 Sekunden Datenwust, den das große Arecibo Radio Observatory in Puerto Rico aufgefangen hat.
Die eigentliche Untersuchung dieser Daten passiert offline, der Screensaver meldet sich erst wieder zu Wort, wenn er seine anderthalb Minuten kosmisches Rauschen, Piepen und Brummen untersucht hat - was im Durchschnitt immerhin 40 Stunden Rechenzeit in Anspruch nimmt. Da SETI@home als Screensaver aber nur dann rechnet, wenn der Computer gerade nicht anderweitig verwendet wird, kann die Verarbeitung eines einzigen Datenhappens schon mal ein bis zwei Wochen dauern.

SETI@home - Logo

Trotzdem: Für die Forscher aus Berkeley stellt diese Methode die schnellste Möglichkeit dar, die etwa 35 Gigabyte Daten, die in Arecibo täglich aufgenommen werden, zu verarbeiten: Der beste Großrechner vereint heutzutage etwa 9000 Pentium-Prozessoren auf der Platine - der Sternenkucker-Verbund von SETI@home im Internet verbindet zur Zeit schon etwa 400.000 Pentiums miteinander.

Sollte tatsächlich ein Hobby-Forscher fündig werden, informiert der Bildschirmschoner per Internet die Profis in Berkeley, die das entsprechende Signal dann an viele unabhängige ET-Forscher auf der ganzen Welt verteilen - von denen es wahrscheinlich als Störgeräusch eines Satelliten, Flugzeugs oder Handies enttarnt wird.

Doch eine Hoffnung bleibt: Sollte man wirklich das Glück haben und ein echtes ausserirdisches "Hallo - ist da wer?" auffangen, dann kann man sich als offizieller Mitentdecker feiern lassen.

Mehr Info im Internet http://setiathome.ssl.berkeley.edu/

Andreas Blüml

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